Dienstag, 10. Juli 2012

Zeitschriftenkritik: Porsche Klassik

Porsche 911: Die Legende lebt

Ein neues Edel-Auto-Magazin widmet sich ganz dem Porsche


Bei vielen Autoliebhabern leuchten die Augen bei der Erwähnung des Namen
"Porsche". Vor allem die 911er - Serie gilt bis heute als begehrter Klassiker.
"Porsche Klassik" nennt sich auch eine brandneue Zeitschrift aus dem
Delius Klasing Verlag. Der Titel zeigt einen Oldtimer, einen Porsche 911
in Schwarz vor kühlem Weiß. "Ein Auto für die Ewigkeit" steht auf dem
Cover in dicken Lettern. Thomas Furths ist der Frage nachgegangen,
warum der Sportwagen zun Kult wurde. Ferdinand Alexander Porsche
creierte die so genannte Flyline des Dachs, aus dem sich die charakteristischen
Seitenscheiben ergaben. Thomas Furth traf sich mit dem Chefdesigner
Michael Maurer im Hauptwerk in Stuttgart Zuffenhausen. Spiegelei-Scheinwerfer,
Lufteinlässe statt klassischem Kühlergrill sowie die Dachlinie sind typisch für
den 911er. So ziemlich alles war damals revolutionär neu im Design vor fast
50 Jahren. 2013 feiert das legendäre Fahrzeug seinen runden Geburtstag.
Der Charakter des Sportwagens wurde bis heute kaum verändert, was
ziemlich einmalig ist. In dem neuen Magazin erfährt der Leser auch, dass
der Deutsch-Rocker Udo Lindenberg schon immer von einem Porsche 911
geträumt hatte. 1973 war es so weit, er kaufte sich seinen Traumwagen und
lud seine Mutter Hermine zur Spritztour ein. Lindenberg fühlt sich nach dem
Einstieg wie auf einer Bühne, wie er selbst sagt. Auf fast zehn Seiten mit
Schwarzweißfotos von Tine Acke schrieb Wolfgang mache eine
launige Reportage über den Mann mit Hut und seine Liebe zu einem
Automobil. Der Musiker ist am Steuer eines 89er 911 Turbo G-Modells
zu sehen, das für ihn eher eine Art Flugzeug ist. Und noch eine Legende
wird in getönten, pastelligen Fotos und einem ansprechenden Text
vorgestellt. Es ist der verstorbene US-Schauspieler James Dean, der
einen 550 Spyder fuhr und 1955 tödlich damit verunglückte. Eines dieser
Auto-Modelle in Kalifornien aufzutreiben, sei nicht einfach. Das erfährt
der Leser aus dem Prolog. Ansonsten schildert der Bericht die letzten
Tage im Leben des James Dean. Die Bildstrecke dokumentiert seine letzte
Fahrt. Nach dem Foto-Stopp an der Unfallstelle sprang der 550 Spyder
des Autors nicht mehr fan. Ein Foto zeigt den Fahrer und seine vier
schiebenden Helfer - von hinten. Ein komischer Zufall, meint denn auch
Autor Roland Löwisch. Die Fotos von Marc Urbano bestechen durch
eine höchst künstlerische Bildsprache abseits der sonstigen Produkt- und
Auto-Fotografie. Für Technikfans eignet sich die Geschichte eines
Porsche im Windkanal von Christoph Refenrath. Er hat das Porsche-Messezentrum
Weissach aufgesucht. Ansonsten bietet das neue Magazin unter anderem
Porsche im Museum in den Niederlanden, eine Story über den
Rennfahrer Vic Elford, eine Kaufempfehlung und ein Porsche-Treffen in
den USA. Dass Porsche mit im Boot des brandneuen Nobel-Magazins ist,
zeigen der Dank an Porsche im Impressum und der Beitrag sowie der Beitrag
über ein Ausbildungszentrum von Porsche in Manila, wo Mechaniker
geschult werden. Der Spagat zwischen Kommerz und Kunst ist sehr gut
gelungen. Ein niveauvolles Novum mit bestechnden Fotos und interessanten
Geschichten.
(c) Corinna S. Heyn

Zeitschrift:
Porsche Klassik
Magazin für Sportwagen
Ausgabe 1/12
Chefredaktion: Thomas Fuths
Delius Klasing Verlag
Preis: 8 Euro

Donnerstag, 5. Juli 2012

Das Meer ist ihr Zuhause

Zuhause auf dem Meer

Alles über Luxus-Yachten in der Zeitschrift "boote Exklusiv" aus dem Delius Klasing Verlag


Manche Yachten haben ein exklusiveres Interieur als so manches Haus. Das Magazin "boote Exklusiv" aus dem Delius Klasing Verlag zeigt sehr dezent, was wahrer Luxus heißt. So ist die 95 Meter lange
"Palladium" eine fasst aerodynamische Motoryacht mit Rundbalkonen, sehr viel Holzfußböden und
einem noblen Spa und außerordentlicher Gymnastik-Abteilung. Eine geschwungene Treppe führt
vom Salon des Hauptdecks zur Eignersuite. Dieser Bereich erinnert an das Design eines edlen
Kaufhauses, jedoch kaum mehr an den Bauch eines Schiffes. Designer ist Michael Leach, der
sich an dem Stil gehobener Spa's orientierte. Die Großyacht verfügt über fünf Decks, schafft
19 Knoten und arbeitet mit zwei 16-V-MTV-Aggregaten mit Turbolader. Doch in der Ausgabe
des Magazins von Mai/Juni 2012 finden sich auch Segelschiffe wie die "Canova" von Baltic.
Mahagoni wurde eingesetzt wohin das Auge reicht. Besitzer ist ein Italiener, erbaut haben
diese Yacht die Finnen. Sie setzten E-Glas, Corecell, Exposy und Karbon ein für die 35,78
Meter Yacht. Gemäß Autor Martin Hager will der Eigentürmer nach einem Törn im Mittelmeer
auf Welttournee damit gehen. Auch in diesem Beitrag liegt der Fokus auf den technischen
Daten, dem Design und praktischen Erwägungen der Seefahrt. Die großformatigen Fotos
von Mats Sandström vermitteln eine ungeheuere Opulenz des Inneren.
Kunterbunt lässt sich die Yach "SnowbidD" mit ihren Kunstwerken sehen. Die Lunge, aber
auch Schlaf- und Badezimmer sind durchsetzt mit meerblauen, roten und weißen Elementen -
sei es in den Bildern oder den Stoffen. Der Sohn  des Eigentümers, David Ostrander, der in
Florida lebt und arbeitet, ist für das Design verwantwortlich. Zehn Gäste kann die Yacht
beherbergen. Kunstliebhaber würden sich freuen, einmal eingeladen zu werden. Möbel
von Gio Ponti von 1962, eine Bronzeplastik von Bruce Beasley von 1935 , Gemälde von
Hans Hofmann oder eine Lithographie von Ed Ruscha sowie Pop-Art von Roy
Liechtenstein beleben das Auge. Alyssa Hack widmete sich in ihrer Reportage der
fiinnischen Yacht SL94 von 2011 von der Werft Sanlorenzo. Hypermodern mit viel
Eiche, Strahlern, flauschigen Sofas, Eichenböden und Trennwänden begeistern das Auge.
Schnell ist sie auch die 26,60 Meter lange Yacht mit bis zu maximal 29 Knoten. In
der Küche kocht der Eigner auf einer italienischen Yacht mit Geräten von Boffi. Die
Autorin beschreibt einen Rundgang durch das Innere mit Schwerpunkt Design.
Welche Segel sind die besten? Der Frage wird ein Beitrag über die 3Di-Segel aus
Nevada gerecht. Martin Hager beschreibt die Besonderheiten des speziellen Materials
und lässt den Geschäftsführer der North Sails Deutschland zu Wort kommen. Kleine
Fertigungsfotos  zeigen Wege der Produktion.
Ferner gibt es Spannendes über Rennyachten wie die "Aurelia" mit 30 Knoten und
ZF-Getriebe, eine Story über die Laurel von Delta Marine mit Reisefotos und
viele kleine Meldungen aus der Welt der Yachten und des Zubehörs.
Die Zeitschrift ist ein niveauvoller Mix aus Geschichten über Motor- und Segel-
Yachten mit viel Abwechslung der Themen. Ein Magazin zum Träumen.
(c) Corinna S. Heyn

Boote exklusiv
Die Welt der Superyachten
Preis: 8 Euro
Ausgabe 3/2012 Mai/Juni
Chefredakteur: Marcus Krall
Verlag: Delius Klasing

Sonntag, 13. November 2011

Große und kleine Loks in zauberhaften Landschaften

Da leuchteten nicht nur Kinderaugen

Die Eisenbahn-Freunde-Allensbach verzückten Groß und Klein mit Modelleisenbahnen


Martin Motz denkt als Gründungsmitglied der Eisenbahn-Freunde-Allensbach  noch gerne an die Anfangszeit zurück. Sein Ziel war es, die Eisenbahnen aus den privaten Kellern an die Öffentlichkeit zu holen. Die Geburtsstunde war der 7. Dezember 2003 des ersten Treffens der Interessierten am Bahnhof Allensbach, weil am selben Tag nur im Jahre 1835 der erste Zug gefahren war. Ein historisches Datum also. Und es funktionierte.

 Leuchtende Kinderaugen vor schneebedeckten Miniatur-Landschaften.
(c) Corinna S. Heyn

 Heute hat der Verein rund 90 Mitglieder und ein Teil davon arbeitet fleißig an einer ersten eigenen Modellbahnanlage, die in der Modellbahnausstellung in der Bodanrückhalle Allensbach auch gezeigt wurde. „Es handelt sich um circa 180 Meter gerader Strecke und insgesamt mit den Kurven um 200 Meter Eisenbahnlinie“, erzählt Martin Motz. Die Eisenbähnler legen tüchtig Hand an einen zweistöckigen Kopfbahnhof mit 12 Bahnsteiggleisen, 13 Güterabstellgleisen, einem Bahnbetriebswerk und einem Rangierbahnhof. Das Jugend-Team mit seinen 18 Teilnehmern bis 17 Jahren werkelt an einer H0 3L-Modulanlage. „Die Jugendabteilung hat so ihre eigenen Vorstellungen von einer Anlage. Es gibt zum Beispiel Banküberfälle. Die Jungen, also auch die Besucher, die zahlreich aus Süddeutschland und der Schweiz zur Ausstellung kommen, mögen auch gerne moderne Züge wie den ICE“, weiß der Vorsitzende. Die Älteren hingegen schwelgen in der Erinnerung an Dampfloks. Kleine und große.
Dieter Prokopetz mit einer Lok, die noch aus seiner Kindheit stammt.
(c) Corinna S. Heyn

Nicht nur die Superlative mit der riesigen Modellbauanlage des Vereins macht Eindruck, sondern auch die überaus liebevoll in Kleinarbeit gefertigten Eisenbahn-Modellbau-Anlagen von Dieter Prokopetz, der seine Eisenbahnen aus der Kindheit gerettet hat. Da er zudem vom Segeln und vom Zirkus inspiriert ist, finden sich in seinen entzückenden Landschaften auch ein Zirkuszelt, das er selber gebaut hat und Bahnhöfe aus Blech sowie Mini-Boote. Für eines auf seiner eigenen Werft benötigte er einen ganzen Tag. Als ehemaliger Zahntechniker ist er an Feinarbeit gewöhnt. „Die Schienen sind noch von Märklin. Die wurden vor dem Krieg gefertigt. Und die Blechteile für die Wägen und Bahnhöfe sammelte ich über 20 Jahre lang“, schwärmt Dieter Prokopetz. Einen Weihnachtsmarkt hat er auch gezaubert mit einem Tunnel, kleinen selbst gemachten Laternen, die funkeln, 176 Figürchen und 28 Häuschen. Ganze 600 Arbeitsstunden hat der leidenschaftliche Eisenbahnfreund investiert. Selbst Autos, die ihm für seine Miniatur-Landschaften zu groß waren, halbierte er einfach. Wenn er nicht mit seinen Eisenbahnen „spielt“, dann ist er im Sommer mit seiner Frau drei Monate auf seinem Segelboot unterwegs. Und damit glücklich.


Das kleine Zirkuszelt fertigte der gelernte Zahntechniker Dieter Prokopetz selbst an. Er ist auch vom Zirkus fasziniert, der früher per Bahn eintraf.
(c) Corinna S. Heyn

Ein anderer Eisenbahn-Freund steht mehr auf große Loks und sammelt seit sechs bis sieben Jahren Loks, Wägen, Anlagen. Seine Loks fahren mit Dampf und einige könnten mit Oberleitung fahren. Stolz zeigt er, dass einige seiner Wägen Kardanwellen haben, die sehr schwer sind. Das Getriebe ist noch aus Metall. Vor allem der Hersteller Hübner baute diese Modelle. Dennoch ist Märklin führend und am meisten vertreten. Damit das Ambiente rundum stimmt, verpflegten Schaffner in Uniform die zahlreich einströmenden Interessierten, die teilweise acht Stunden blieben und sich von der Welt der Eisenbahn verzaubern ließen.
© Corinna S. Heyn

Videos bei Youtube: CorinnaHeynMA